Scan 1Es ist Reisezeit. Und viele von euch machen sich mit ihren Kindern auf den Weg in den Süden, auch mit dem Flugzeug. Muss man da eigentlich was beachten? Jules hat mit Martin Sperber, einem Experten vom TÜV Rheinland über sicheres Fliegen mit Kindern gesprochen.

Warum beschäftigen Sie sich mit der Sicherheit von Kindern auf Flugreisen?

Kinder sollten genauso sicher wie Erwachsene transportiert werden. Es gibt aber auch immer wieder Menschen, die sagen: Wenn ein Flugzeug abstürzt, hat man doch sowieso keine Chance, egal wie man gesichert war. Die Unfallstatistiken sprechen dagegen: Denn 80 Prozent aller Unfälle, also zum Beispiel Notlandungen, können überlebt werden. Vorausgesetzt man war richtig gesichert.

 Wie wird ein Baby beim Flug denn gesichert?

Kinder unter zwei Jahren haben keinen Anspruch auf einen eigenen Sitzplatz. Für die Zeit nach dem Start und vor der Landung gibt es Babykörbe, in denen Ihr Nachwuchs schlafen kann. Sie werden von der Airline zur Verfügung gestellt, und können auf bestimmten Plätzen an die Vorderwand gehängt werden. Sie dürfen aber nur benutzt werden, wenn die Anschnallzeichen aus sind. Während des Starts und der Landung und auch bei Turbulenzen werden Babys auf dem Schoß eines Erwachsenen fixiert. Am bekanntesten ist der sogenannte Loopbelt, wie es ihn in Airlines der EU-Länder gibt: Er wird an den Gurt des Erwachsenen eingeschlauft. Aber, was die meisten leider nicht wissen: Der Loopbelt birgt hohe Risiken. Der TÜV Rheinland hat im Auftrag des Verkehrsministeriums Notlandungen simuliert, und dabei festgestellt, dass das Baby vom Erwachsenen zerquetscht werden kann, wenn es mit dem Loopbelt auf dem Schoß gesichert ist.

Was ist dann die bessere Alternative?

Viel sicherer ist es, einen eigenen Sitzplatz zu buchen und den Autokindersitz mit zu nehmen. Das ist in vielen Airlines möglich, allerdings nur mit bestimmten Kindersitz-Modellen. Eltern sollten bei der Buchung nachfragen, und den Kindersitz dann auch gleich anmelden. Aber Vorsicht: Achten Sie auf den Aufkleber „For use in aircraft“ auf dem Kindersitz, denn nur solche Modelle sind qualifiziert. Welche das genau sind, kann man auch auf unserer Website unter http://www.tuv.com/kindersitze nachlesen.

Ab welchem Alter braucht ein Kind rein rechtlich einen eigenen Sitzplatz?

Das Gesetz schreibt vor: Sobald es zwei Jahre alt ist. Liegt der zweite Geburtstag im Urlaub, muss schon für den Rückflug ein eigener Platz gebucht werden. Allerdings ist auch dann noch ein zusätzlicher Kindersitz oder eine Sitzerhöhung ratsam. Denn auch bei Kindern über zwei Jahren ist das Becken noch so klein, dass der Gurt, der eben nur für Erwachsene angepasst ist, zu zwei Dritteln in den Weichteilen liegt. In einer Notsituation oder bei Turbulenzen kann der Gurt so in die Weichteile gedrückt werden, dass innere Verletzungen die Folge sind.

Was kostet eigentlich der eigene Platz fürs Kind?

Von zehn bis zu 100 Prozent des Normalpreises, das variiert je nach Airline sehr stark.

Kann und soll man Sitzplätze vorab reservieren?

Ja, das geht, und es ist auch notwendig. Geben Sie schon bei der Buchung Ihren Wunsch an. Aber nicht enttäuscht sein: Die geräumigen Plätze am Notausgang werden nicht an Familien abgegeben. Wer dort sitzt, muss bei einer Notlandung in der Lage sein, die Tür zu öffnen, und anderen beim Aussteigen zu helfen.

Vielen Dank für das Interview!