Deutsche Mama in New York

Wie schon erwähnt, durften wir während unseres New York Urlaubs eine großartige Woche bei meiner lieben Freundin Babs, ihrem Alex & ihrer süßen sechs Monate alten Tochter Emilia verbringen. Die beiden gebürtigen Münchner sind mit ihrer Mini erst vor wenigen Monaten nach Brooklyn gezogen. Von der gemütlichen, bayerischen Landeshauptstadt an der Isar in die verrückte, riesige Hochhaus City. Mit Baby. (Unglaublich oder?) Das eignet sich natürlich hervorragend für unsere erste Home Story. Wir freuen uns sehr über Einblicke und Anekdoten aus Babs neuem Zuhause und dem Alltag als Mami in einer der aufregendsten Städte der Welt. Los geht’s… 

Hausbesuch, Homestory in New York

Liebe B, vor was hattest Du am meisten Respekt, als ihr entschieden habt, nach NY zu gehen?

Ehrlich gesagt, hatte ich gar keine so genaue Vorstellung was mich erwartet. Ich war zuvor erst einmal in NYC, noch dazu im Rahmen einer Geschäftsreise und so hatte ich nur die absoluten Hot Spots von Manhattan mitbekommen. Ohne jemals dort gewesen zu sein, haben Alex und ich immer davon gesprochen nach Brooklyn zu ziehen, da wir mit Baby einfach in einer etwas ruhigeren Gegend wohnen wollten. Ob das aber dann wirklich so ist und wie es dort aussieht habe ich eigentlich nicht wirklich einschätzen können.

Ich denke, es war diese große Ungewissheit, die ich zwar sehr spannend fand, die mich aber auch etwas unruhig gemacht hat. Wenn man ein Baby hat, ist die Situation auch nochmal anders, der Fokus verschiebt sich, Dinge über die man sich vorher keine Gedanken gemacht hat, sind auf einmal sehr wichtig. Fühle ich mich in der Gegend und unserer Wohnung wohl? Finde ich auch gute Ärzte, vor allem einen kompetenten und netten Kinderarzt, dem ich vertrauen kann? Und ist es in schwierigen Situationen doch ein Thema, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist?

München ist meine Heimat, die ich über alles liebe. Ich wusste, ich verlasse eine sehr komfortable Situation, meine Eltern und Schwiegereltern in spe (und Emilias begeisterte Großeltern) sind immer für uns da, meine Schwester und meine beste Freundin sind beide ebenfalls in Elternzeit und wohnen jeweils nur zehn Minuten zu Fuß von mir entfernt – eigentlich kann man es doch nicht besser haben. Ich habe mich dann schon ab und zu gefragt, ob ich mich dann vielleicht einsam fühlen werde… Doch insgesamt waren meine Neugierde und Vorfreude immer größer als die Bedenken.

Joolz Kinderwagen in Brooklyn, Greenpoint

Willkommen in Greenpoint

Wie meisterst Du Deinen Alltag in dieser riesigen Stadt?

New York ist eine große Stadt, das weiß wohl jeder, nur war mir da noch lange nicht bewusst was das für meine Mobilität bedeutet. Gepaart mit dem Fakt, dass die Subway zu 95 Prozent nicht mit Lift oder Rolltreppe ausgestattet ist, macht es das Unterwegssein mit Kinderwagen alleine so gut wie unmöglich. Auf der Suche nach Alternativen stand ich also in meiner ersten Woche voll motiviert mit meinem Kinderwagen vor dem Bus, den ich anstelle der U-Bahn nutzen wollte, um zu Ikea zu fahren. Die Busfahrerin ließ mich freundlich wissen, dass Kinderwägen nicht erlaubt sind, außer ich baue ihn auseinander und nehme das Baby auf den Arm (jede Mama kann verstehen, dass dies unmöglich ist, außer man hat vier Arme). Das hat mich kurzzeitig schon ziemlich frustriert. Doch zum Glück wohnen wir nur fünf Minuten von der nächsten Water Taxi Station entfernt, die bringt uns komfortabel in weniger als zehn Minuten nach Midtown Manhattan. Von dort aus bewältigen wir alle Wege zu Fuß, auch wenn das schon mal 1,5 Stunden Fußmarsch bedeutet. Da ich sehr gerne spazieren gehe, ist diese Lösung für mich in Ordnung und ich erspare Emilia und mir den Lärm, Gestank und Staub im dunklen und überfüllten Untergrund.

Fahrt mit der East River Ferry

entspannte Überfahrt in der East River Ferry

mit Kinderwagen unterwegs in Williamsburg

unterwegs in Williamsburg

Was sind die größten Unterschiede zwischen eurem Leben in München Maxvorstadt und Brooklyn, New York?

Oh, da gibt es jede Menge…

Wir leben hier in einem Apartment Building mit 24h Doorman und sogenannten „shared amenities“, also Gemeinschaftsflächen, die alle Hausbewohner teilen, wie zum Beispiel Pool, Fitnessraum, Dachterrasse, Kinderspielzimmer usw… Pakete werden vom Concierge 24 Stunden am Tag angenommen und du bekommst eine Nachricht sobald etwas für dich da ist. Das ist deshalb so viel wert, da man sich hier so ziemlich alles liefern lassen kann. Das heißt zum Beispiel, nie wieder sperriges Toilettenpapier oder schwere Waschmittelpackungen durch die Gegend tragen und kein lästiges Warten in einer überfüllten Postfiliale. Man merkt schon sehr, dass Dienstleistungen hier ganz selbstverständlich sind, das erleichtert einem das Leben manchmal ganz schön.

Unsere Wohnung ist in Greenpoint, Brooklyn, einem bunt gemischten Viertel das gerade im Umbruch ist. Neben neuen Apartmenthäusern wie das, in dem wir wohnen, sieht man hier mehr oder weniger gepflegte Brickstone Häuser mit den typischen schmalen Treppenaufgängen und viele Industrielofts. Allen gemeinsam sind nur die nicht zu übersehenden großen schwarzen Müllberge vor den Haustüren. Müll ist eines der Themen, das mich hier auch nach drei Monaten noch den Kopf schütteln lässt. An jeder Ecke findet man Organic Food, aber die super Bio Eier sind dann dreimal in Plastikschale verpackt. Und so produziere auch ich täglich mindestens eine Tüte Plastikmüll und sehe zu wie die Berge von Mülltüten vor den Häusern einfach niemals verschwinden, denn die Müllabfuhr kommt da nicht hinterher – unvorstellbar im herausgeputzten München.

Die Leute begegnen einem hier sehr viel offener als ich das von München kenne. Ich habe inzwischen schon so viele andere Mamis kennengelernt (im Hausflur, auf dem Spielplatz, im Café…) und treffe mich somit fast täglich am Spielplatz, im Park oder in der kostenlosen „babys and books class“ in der library um die Ecke. Klar, bin auch ich hier vermutlich offener und das Baby gibt auch immer einen Aufhänger, um ins Gespräch zu kommen, aber dass es so schnell und einfach geht, hätte ich nicht gedacht. Auch wenn diese Bekanntschaften nicht meine Freunde von zu Hause ersetzen können, sie tragen dazu bei, dass ich mich hier wohl fühlen kann und vielleicht entwickelt sich ja auch noch die ein oder andere lange Freundschaft.

Auch wenn vieles hier anders ist, hat man auch seinen ganz normalen Alltag und gerade mit Baby unterscheidet sich dieser gar nicht so wahnsinnig von dem, den ich in München hatte. Doch spätestens wenn ich das Haus verlasse und den Blick auf die Skyline von Manhattan richte werde ich ganz schnell wieder daran erinnert, dass ich mich in einer der aufregendsten Städte der Welt befinde.

Straße in Greenpoint

Straßenzüge und Gebäude in Greenpoint

Straßenzüge und Gebäude in Greenpoint

Lofts, Feuerleiterhäuser mit Blick auf East River in Greenpoint

Lofts, Dachterrassen und Feuerleiterhäuser in Brooklyn, der East River und die Skyline Manhattans

Was sind eure persönlichen Highlights hier in NY?

Unser Leben hier fühlt sich oft wie Urlaub an. Wir haben hier so gut wie keine Verpflichtungen und können unsere Zeit einfach nur mit Dingen füllen auf die wir gerade Lust haben. So verbringen wir hier auch eine sehr intensive Zeit nur zu dritt, mehr als das in München möglich wäre, mit der ganzen Familie und unzähligen Freunden die man am Wochenende natürlich treffen und irgendwie unter einen Hut bringen möchte. Ich liebe es, am Samstag mit Alex und Emilia durch die Straßen zu ziehen und die Stadt zu erkunden. Allein in unserem Viertel gibt es noch so viel zu entdecken, meistens da wo man es am wenigstens erwartet, wie zum Beispiel der Biergarten next door, versteckt hinter einem alten Garagentor, oder eine der unzähligen stylischen Kaffeebars in alten Brickstone Häusern oder Industrielofts.

Bunter als zuhause sind auch die Leute auf den Straßen, da läuft einem schon mal der ein oder andere „character“ über den Weg, da macht es gleich dreimal so viel Spaß im Cafe zu sitzen, und einfach das Treiben zu beobachten.

An warmen Abenden sitzen wir auch gerne mit einem Drink auf unserem Rooftop und schauen auf die Skyline von Manhattan, genießen den Sonnenuntergang und sehen zu, wie die Stadt jeden Augenblick in ein anderes Licht getaucht wird – wenn wir Glück haben, schläft Emilia friedlich in ihrem Kinderwagen und wenn sie doch aufwacht geht’s einfach zwei Stockwerke tiefer in unsere Wohnung zurück. Da wir nicht die einzige junge Familie im Haus sind, erntet man mit einem quengeligen Kind statt genervter Blicke vielmehr ein verständliches Lächeln…

mit Kinderwagen unterwegs in Brooklyn

an den Wochenenden zu dritt unterwegs: spazieren, schauen, genießen…

Das Tolle an New York ist außerdem, dass man viel Besuch bekommt, kaum ist der eine weg, kündigt sich schon der nächste an, immer in bester Urlaubslaune! :)

Abschied vor Garagentor in Brooklyn

Bye Bye – bis zum nächsten Mal!:)