Die Fragen aller Fragen für viele arbeitende Mütter: Wie bekommt man Job und Familienalltag am Besten unter einen Hut? Etwas Freizeit und Zeit für sich zu haben, wäre ja eigentlich auch noch schön. Wie werde ich dann aber meinen Kindern und meinem Beruf gerecht, ohne etwas zu vernachlässigen? Geht das überhaupt? 2-fach Mama Katharina Hofer-Schillen, früher Pressesprecherin bei ProSiebenSat.1 Media AG, jetzt Leiterin einer eigenen Presseagentur, Autorin und zertifizierter Coach, hat sich mit diesen Fragen befasst und ein tolles Buch geschrieben. Das Interessante: Katharina setzt mit ihren Fragen schon eine Ebene früher ein: Was bedeutet (mein) Beruf überhaupt für mich? In welchem Job bin ich eigentlich richtig aufgehoben? Nach welchen Werten möchte ich leben? In ihrem Buch “Die Mami-Challenge – Inspiration und Selbstcoaching für berufstätige Mütter und die, die es werden wollen” finden sich dazu Tipps, Inspirationen und Erzählungen aus ihrem eigenen Leben, aber auch konkrete Selbstcoaching-Anleitungen (auf ihrer Webseite kann man Arbeitsblätter dafür herunterladen).

Die Mami Challenge mit Vorwort von Dana Schweiger

Work-Life-Balance für Mamis

Die Mami Challenge – mit Vorwort von Dana Schweiger – ist im Oktober 2016 im Marie von Mallwitz Verlag erschienen und kostet um 19,90 Euro. Hier kann man das Buch direkt bestellen.

Katharina mit ihren Kids

Wir durften Katharina ein paar Fragen zu ihren Challenges im Alltag stellen. Lest selbst:

Pi: Liebe Katharina, wie gelingt es Dir im ganz normalen Alltagswahnsinn mehr Gelassenheit an den Tag zu legen? Flippst Du nicht auch mal total aus zu Hause?

Katharina: Ja klar, welche Mutter nicht? Aber ich habe Mechanismen für mich entdeckt, die es meist erst gar nicht so weit kommen lassen. Früher habe ich immer angedroht und geschrien: „Dann ist das Handy weg, Fernsehverbot oder keine Süßigkeiten mehr“. Das mache ich heute schon auch noch, aber anders. Ich lasse meine Kinder entscheiden. Also nach dem Motto: „Das entscheidest du, ob du morgen dein Handy bekommst. Das liegt in deinen Händen“. Das kapieren sie dann besser. Sie entscheiden, nicht ich. Und in Situationen, wo mein Nervenkostüm ganz dünn gestrickt ist und sie mich bis zum Anschlag reizen, atme ich tief durch und gehe in einen anderen Raum. Das habe ich lernen müssen und es geht mir damit besser.

Pi: Du erzählst, an Sonntagen ist bei Euch in der Familie Handy freie Zone. Ist das Deine Antwort auf die Handy-Challenge? Wie klappt das?

Katharina: Ich muß vorweg sagen, dass ich nicht zu der Sorte Mutter gehöre, die beim Arzttermin im Warteraum ihr Handy rausholt und neben dem Kind die Facebookseiten durchgeht. Wenn ich WhatsApps schreibe oder meine E-Mails checke, dann bestmöglich nicht vor den Kindern. Meine Handy-Challenge habe ich, seit mein Sohn sein eigenes hat. Wenn wir streiten, dann eigentlich nur deswegen. „Gib mir jetzt bitte das Handy“ (ich), „ja, gleich“ (er). So geht das hin und her, bis der Streit eskaliert. Hier bin ich tagtäglich am Kämpfen und es kostet die ganze Familie echt viel Energie. Meine Tochter ist auch schon davon genervt und schließt hinter sich die Tür. Da hatte ich keine Lust mehr drauf. Und so habe ich klare Regeln eingeführt: Nach der Schule wird das Handy abgegeben. Er bekommt es dann noch einmal für circa 30 bis 45 Minuten. Wie er diese Zeit aufbraucht, ist sein Ding. Entweder am Stück oder eben geviertelt über den Tag verteilt. Es gibt Kinder mit zehn Jahren, die noch um 22 Uhr online sind. Für mich nicht nachvollziehbar. Auch das mit dem handyfreien Sonntag ist eine Regel und es klappt wirklich sehr gut, mittlerweile automatisch. Viele unserer Freunde haben das von uns übernommen.  Ich wollte dem „Sonntag“ auch wieder mehr Familienleben und Inhalt einhauchen, sich miteinander beschäftigen, bewusst den Tag erleben. Früher war Sonntag ein Ruhe-, ja fast ein Heiligentag, nur für die Familie. Man hat Ausflüge gemacht oder eine Radtour. Das ist heute anders.
Jedenfalls, wenn wir die Handy-Nutzung bei unseren Kindern nicht kontrollieren, läuft das außer Kontrolle. Zumindest solange, wie wir sie noch steuern können. Im Jugendalter ab 12 bis 13 Jahren sind diese Regeln eh nicht mehr umsetzbar.

Pi: In welchem Alter hat Dein Sohn ein eigenes Handy bekommen? Kontrollierst Du, was er damit macht?

Katharina: Mit zehn Jahren, als er ins Gymnasium kam und er mit dem Zug fahren muss. Kontrollieren, also in welchen Kanälen er unterwegs ist, nur bedingt. Er sagt das von sich aus und ich gebe ihm das Vertrauen. Dazwischen frage ich ihn, ob es etwas gibt, was ihn erschreckt hat. Bilder aus dem Internet. Diese Dinge. Er würde mit mir offen darüber reden. Ich kann ihn nicht mit einer Glasglocke schützen. Im Zug sind viele Jugendliche. Das Bewusstsein habe ich bei ihm geschärft. Ich sage dann, dass es Sachen gibt, die ihn schocken können und dass er bitte selbst darauf achten muss. Davor hat er Angst, Bilder zu sehen, die er nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Das gilt auch für das Fernsehprogramm. Ich bin ja nicht ständig dabei. Sekundenbilder beim Zappen, die ihn erschrecken könnten. Er achtet darauf, das merke ich einfach. Aber das sind Herausforderungen und Gefahren, mit denen wir leben müssen. Leider. Ich achte auch auf sein Umfeld, mit welchen Kids er unterwegs ist.

Pi: Welches Alter Deiner Kinder fandest Du bisher besonders schwierig beziehungsweise schwieriger als ein anderes?

Katharina: Das ist eine gute Frage. Mit meinem Mann rede ich gerne darüber. Rückblickend, wenn man die Kids so anschaut und sich denkt: „Ach wären sie doch noch so süß kuschelklein“. Und wenn ich dann Kleinkinder um mich herum habe, kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen. Die Entwicklungsphasen sind sehr spannend. Jetzt, wo sie älter sind, haben wir wieder mehr Spielraum, auch in der Partnerschaft. Sie können schon einmal ein bis zwei Stunden alleine sein und ich gehe in dieser Zeit spazieren oder schwimmen. Das war früher nicht möglich. Bewusst anstrengend finde ich es tatsächlich erst, seit mein Sohn im Gymnasium ist. Das Lernen kostet uns wirklich sehr viel Kraft. Er ist nicht der Typ, der das freiwillig macht, so wie meine Tochter. Hier sind wir täglich dran, die Hausaufgaben gemeinsam zu machen oder auf eine Schularbeit zu lernen. Fast jede Woche hat er in einem Fach eine Klausur. Es wird von den Eltern wirklich viel abverlangt. Wie macht das eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern? Meine Eltern haben nicht mit mir gelernt. Sie hatten gar nicht die Zeit dazu. Also hier stimmt im Schulsystem etwas nicht.

Jules: Wie sorgst du als Selbständige für einen einigermaßen geregelten Feierabend? Gibt es bei dir auch einen Tag, an dem Mails und der PC tabu sind?

Katharina: Hier bin ich sicher in einer privilegierten Situation, da mein Beruf meist zeitunabhängig ist. Früher war ich immer haptisch unterwegs. Schnell schnell den Rechner hochfahren und schauen, wenn die Kinder kurz beschäftigt sind. Dann doch noch eine E-Mail kurz beantworten. Dann wieder runterfahren, denn ich wollte nicht, dass der Laptop und mein Handy unseren Tag bestimmen. Die Kinder sind ja bis zu einem gewissen Alter ständig an deiner Seite. Die kommen ja nicht heim und sagen „Mama, ich bin dann mal drei Stunden im Zimmer und lerne“. Aber dieser Zustand – dazwischen zu arbeiten – hat mich fertiggemacht und ich habe das abgestellt. Sobald meine Kinder daheim sind, ist mein Büro geschlossen. Ich bin dann Vollzeitmami. Also ab 13 Uhr fahre ich den Rechner runter und schaue nur noch dazwischen in mein Handy und checke die Emails. Wenn ich große Projekte am Laufen habe, dann beziehe ich meinen Mann hier mehr mit ein. Natürlich arbeite ich auch abends, wenn die beiden schlafen. Wenn ich dazwischen kurz ins Büro fahren muss, dann nehme ich meist die Kinder mit. Sie gehen dann zusammen in die Stadt. Mein Handy hat einen Anrufbeantworter, private Anrufe nehme ich nur ganz bewusst an. Jetzt, wo sich die Kinder auch nachmittags mal mit Freunden treffen, kann ich mein Arbeitspensum wieder steigern. Das ist der Vorteil, wenn sie älter werden. Oder ich sage: „Ihr macht jetzt Hausaufgaben und ich muss auch noch einen Text fertigschreiben“. Ich binde sie also bewusst in meine Arbeit mit ein. Aber das habe ich schon immer getan. Wenn ich früher einen Kundentermin hatte und keinen Babysitter, habe ich die beiden mitgenommen. Das war nie ein Problem. Man kann sich seine Kunden auch erziehen.

Jules: Was machst Du für Dich persönlich zum Ausgleich zu Beruf und Familie?

Katharina: Mein Ausgleich ist einmal im Monat ein SPA-Tag für ein paar Stunden. Unter der Woche gehe ich sehr viel spazieren und ich liebe es, zu schwimmen. Das mache ich regelmäßig. Meine Familie ist sehr sehr sportlich. Dazu kommen gemeinsame Aktivitäten wie Skitouren, Skifahren, Eislaufen im Winter. Wohlgemerkt, wir leben in einem Tourismusgebiet mit großem Skigebiet und im Sommer zwei große Badeseen.

Pi: Kann man Dich auch als persönlichen Coach um Rat fragen?

Katharina: Mein Buch „Die Mami Challenge“ gibt für den Einzelfall schon sehr viel her. Das Seminar zum Buch gibt es im Übrigen auf meiner Homepage unter www.katharinahoferschillen.com

Jules & Pi: Vielen vielen Dank, liebe Katharina, für das spannende Interview!

Working Mum Katharina