Wie das so war: Eine Geburt in Frankreich
Pi's Mini Nummer 2 ist auf der Welt

Geburt in Frankreich

Bienvenue Mini Nummer 2! Jetzt sind wir also zu viert. Ich kann mich seit kurzem Mum of Two nennen, wie es in der Instagram-Sprache immer so schön heißt. Neun Monate hat man ja Zeit, sich gedanklich auf den Neuzuwachs vorzubereiten. Aber auch, wenn wir der Meinung waren, wir sind schon ganz gut gewappnet durch Mini Nummer 1, und die Umstellung wird sicher nicht mehr ganz so groß: Ha, Pustekuchen! Unser neuer Mitbewohner ist nicht gerade zurückhaltend. Er hat ein lautes Organ und macht sich damit gerne kräftig bemerkbar. Überhaupt hat man jetzt einfach immer die Hände mit irgendeinem Kind voll. Aber das ist ein eigenes Thema. (Hierüber gibt es übrigens einen sehr netten Artikel bei Littleyears.) Wir haben uns in Vorbereitung auf die Geburt vor allem damit beschäftigt, herauszufinden, wie so eine Geburt in Frankreich ablaufen würde:

Was kommt auf uns zu, fernab der Heimat und unserem vertrauten München? In welches Krankenhaus sollen wir überhaupt gehen? Wenn sogar Angelina Jolie hier in der Nähe entbunden hat, können die Krankenhäuser ja nicht so schlecht sein, oder? 😉 Und überhaupt bekommen die französischen Frauen im Schnitt deutlich mehr Kinder, also sollte die französische Geburtshilfe doch gut funktionieren, oder?  Aber wie kommen wir sprachlich zurecht? Welche Wörter sollen wir uns neben Wehen, Schmerzen, Atmen, PDA und Pressen noch merken und am besten gleich aufschreiben? Wohin gehen wir bei einem Notfall? Und: Wer kümmert sich hier um Mini Nummer 1?

Evian Maman Edition im französischen Krankenhaus

Zum Glück gab es keine bösen Überraschungen. Unser Mini machte sich mit den Wehen vorbildlich am Wochenende auf den Weg, als der werdende Papa zuhause und Oma und Opa aus München schon hier waren, um unsere „Große“ zu betreuen. Und der Kleine kam schon ein paar Stunden später auf die Welt, ohne große Komplikationen. Aufnahmeraum und Kreißsaal waren gefühlt wie in München. Alles sogar eher noch etwas größer und ruhiger als in den übervollen Krankenhäusern, die wir aus der Heimat kennen. Wir fühlten uns sehr gut betreut im „Étoile“, der Geburtsklinik hier. Von außen gleicht sie auch eher einem Hotel als einem Krankenhaus und viele Französinnen hatten mir im Vorfeld von dem besonders guten Essen dort vorgeschwärmt. Auch wenn dieser Punkt nicht unbedingt auf Prio 1 meiner Entscheidungsliste stand, gibt einem das natürlich trotzdem ein gutes Gefühl.

Während der Geburt hatten wir eine wunderbare Hebamme, die es echt gut verstanden hat, mit uns langsam und deutlich zu sprechen. Und die mein gequältes und verwirrtes Gesicht wohl sehr gut zu deuten wusste. Die wichtigsten Vokabeln kamen zudem wohl irgendwie automatisch aus mir raus.

Sprachlich anstrengend wurde es eher die folgenden Tage, als der Automatismus der Geburt irgendwie weg war, mein Hirn vollkommen leer und ich einfach nur fix und alle. Und voller merkwürdiger Hormone, immer mit dem neuen Mini auf mir hantierend. Jetzt ballten sich die ganzen medizinischen Untersuchungen und Fragen von Ärzten, Krankenschwestern und Hebammen, die ich im Detail nur schwer verstand, und mich kaum auf meine Antworten konzentrieren konnte. Gerne hätte ich mich noch besser informiert und beraten lassen. Das waren die einzigen Momente, in denen es mir erst richtig auffiel, dass ich nicht in München, sondern in Südfrankreich war.

Meine Hebamme für Vorbereitung und Nachsorge glich das dafür wieder aus. Die Dame war wirklich Gold wert, nahm sich wahnsinnig viel Zeit, war sehr einfühlsam und sprach ein sehr gut verständliches Französisch. Besonders gut erinnere ich mich an ihre bildlichen Vergleiche: Beim Einatmen solle man sich einen Aufzug vorstellen, der vom Keller in den 5. Stock fährt, oder eine Blume die ganz langsam von innen aufgeht.

Ich bin überzeugt, wenn es nicht die zweite Geburt gewesen wäre, hätten wir den Mini in der Heimat zur Welt gebracht. Aber so waren wir irgendwie entspannt. Vielleicht hat sich die Lockerheit der Ärzte und Anästisten auch auf uns übertragen. (Die hielten gerne noch ein Kaffee-Pläuschchen und fielen durch ihren Surferstil auf.)  Wir wussten auf jeden Fall in etwa, was auf uns zukommt und hatten ein großes Urvertrauen, dass das schon alles irgendwie werden würde. Und so war es schließlich auch.

Mit einem kleinen, französischen Extra: Es gab tatsächlich ein unglaublich leckeres, frisches Croissant (und die Evian-Maman-Edition, siehe oben) am Morgen nach der Entbindung! Willkommen in der (französischen) Welt kleiner Mann!

vor dem Krankenhaus mit Mini Nummer 1

(Hier unsere große Mini beim Abholen.)

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