In der französischen Krippe
Wie das so ist mit einem Krippenkind in Frankreich

Kinderkrippe in Frankreich

Wochenende in Sicht: „Mamaaan! Bon Weekeeeeeend!“ ruft unsere Mini freitags bei der Verabschiedung lauthals, wenn ich sie aus der Krippe abhole. Spätestens da weiß ich, es liegt also wieder eine Woche mit französischer Crèche hinter uns. Eine Woche, in der uns unsere Mini sprachlich wieder einmal überrascht hat, indem sie mit neuen französischen Wörtern und Liedern nach Hause kommt, die wir oft selbst erst einmal nachschlagen müssen. (Manchmal sind wir uns auch nicht sicher, ob sie die Wörter gerade erfindet oder ob es sie wirklich gibt.) Was sich letzten Herbst noch sehr ungewöhnlich anfühlte, ist mittlerweile fester Alltag bei uns geworden: Morgens die Mini in der Crèche abgeben und Nachmittags wieder abholen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, so ist das nunmal und so kannten wir den Krippenalltag ja bereits aus München. Aber Südfrankreich ist eben nicht München. Und die Sprache nicht unsere. Wie das sonst so war mit unseren Krippenerfahrungen in Frankreich? Voila, hier unsere 12 Dinge, die uns am meisten auffallen:

Unsere Erfahrungen aus der Kinderkrippe in Frankreich

  • Wir hatten zu Beginn keine 6-8 Wochen Zeit wie in München, nein, unsere Eingewöhnung war offiziell nach 10 Tagen abgeschlossen. In Windes Eile also, genau nach Plan. Wirklich eingewöhnt war sie deswegen natürlich noch lange nicht. Das hat schon ein paar Wochen länger gedauert, bis unsere Mini endlich angekommen ist und sich wohl fühlte. In dieser Zeit flossen viele Tränen. Kein Wunder, wenn auf einmal alle Welt nur noch französisch spricht. Wie soll sich so ein kleiner Wurm da denn mitteilen und wie soll er selbst verstanden werden? Das fällt MIR ja schon schwer. Die arme Mini musste durchhalten. Zum Glück kannte ich den herzzerreißenden Abschiedsschmerz noch von der Eingewöhnung aus der Krippe in München. Und irgendwann hat es dann tatsächlich endlich Klick gemacht. Seitdem ist es ihr meistens zu früh, wenn ich sie abholen komme. Da wird erst noch genüsslich der Goûter aufgegessen oder eine Runde mit dem Mini-Moto gedreht, bis sie mit mir nach Hause kommen möchte.
  • Die Mini liebt den riesigen Garten in ihrer Krippe. Und nachdem es hier so viele Sonnenstunden im Jahr gibt, werden viele Aktivitäten wie Picknick oder Gymnastik einfach ins Freie verlagert.
  • Ja, Disziplin und feste Regeln werden den Kleinen tatsächlich schon früh beigebracht. Unsere Mini spielt zuhause oft Krippe nach und ermahnt besonders gerne ihre Stofftiere mit erhobenem Zeigefinger: Arretez! Doucement! Stop! Pas encore!
  • Wenn ich unsere Mini um 16 Uhr abhole, ist sie eine der ersten die abgeholt wird. Das ist die kürzeste Zeit, die man buchen konnte. Die meisten Kinder sind sehr viel länger betreut. Schließlich haben die meisten französischen Mütter weiterhin ihre Vollzeit-Jobs. (Man sieht auch auffallend viele Väter in der Früh die Kinder in die Krippe bringen.)
  • Eltern müssen bei Festen keine Dinge in die Krippe mitbringen: keine Kuchen backen zum Geburtstag, keine Kekse zur Weihnachtsfeier, keine Getränke oder sich in sonstige Listen für Erledigungen eintragen. Das erledigt alles die Krippe. Einzige Ausnahme war das Abschluss-Sommerfest. Und die Liste war kurz nach dem ersten Tag voll!
  • Es finden dafür regelmäßig kleine Aktivitäten statt, an denen auch Mütter und Väter teilnehmen dürfen. Zum Beispiel gemeinsam mit den Kindern Crepes backen. Auch hierfür muss man nichts mitbringen. Die Aktivitäten finden meistens am späten Nachmittag bis frühen Abend statt. Der Andrang ist relativ gering, das ist ja noch mitten in der Betreuungszeit von vielen.
  • Kinder werden auch mit Fieber betreut. Man wird schon angerufen und darüber informiert. Aber man muss nicht zwingend sofort kommen, wenn das Kind nicht total schlecht drauf ist.
  • Zumindest bei uns in der Krippe, gibt es keine Hausschuhe. Kinder lassen ihre Straßenschuhe an – außer zum Schlafen natürlich. Eltern dagegen ziehen schon ihre Überziehsocken an, wenn sie die Kinder bringen und abholen. (Ob das Sinn macht…?)
  • Vorspeise, Hauptgericht, Dessert. Essen steht ganz weit oben auf der Tagesordnung: Was mir die Erzieherinnen beim Abholen meistens als erstes berichten, ist, wie gut die Mini ihr Menu gegessen hat. Wir bekommen viel Lob dafür, der Mini scheint es zu schmecken. Kein Wunder, die Menüs klingen wie aus der Speisekarte eines guten Restaurants. Erst danach wird über die Aktivitäten berichtet.
  • Neben den eigentlichen Erzieherinnen kommen regelmäßig zusätzliche Fachkräfte, die mit den Kindern musizieren, basteln oder Kollagen machen.
  • Feste zu Anlässen wie Karneval oder Ostern finden gerne nach den eigentlichen Feiertagen statt, so dass ein Ostereier-Suchen erst nach dem Osterwochenende stattfindet und die Faschingsfeier ebenfalls eine Woche später gefeiert wurde. Unsere Mini war die einzige ohne Kostüm an diesem Tag. Für das nächste Jahr weiß ich nun, dass man sein Kind trotzdem verkleidet bringt, auch wenn der Aschermittwoch schon vorbei ist.
  • Als Nachmittags-Snack gibt es oft Natur Yoghurt – mit einem Zuckerpäckchen für jedes Kind on top auf den Yoghurt gestreut. Hm…

In diesem Sinne: „Bon Weekeeeeeend!“

Habt ihr auch schon einmal im Ausland gelebt und Euer Kind dort in Betreuung gehabt? Schreibt uns doch über Eure Erfahrungen. Wir freuen uns!

Alles Liebe,

Eure Pi

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