Überraschungsmoment in meinem Leben
Jules´Gedanken zum Thema Erstkommunion

kommunion

Kennt ihr das? Ihr macht etwas, weil ihr es machen müsst, und dann werdet ihr absolut positiv überrascht, was dabei passiert? So ging es mir in den letzten Monaten: Zu Beginn der 3. Klasse Grundschule meiner Zwillinge war klar: Die Erstkommunion steht an. Nun sind wir nicht tiefgläubig, oder regelmäßige Kirchengänger oder so, aber doch fühlen wir uns der Kirche „irgendwie verpflichtet“ und auch ein bisschen nah. Also: Kinder brav in der Pfarrei angemeldet. Und natürlich stand auch plötzlich die Frage im Raum: Wer stellt sich als Gruppenleiterin für den Erstkommunionsunterricht zur Verfügung? Der ist von Gemeinde zu Gemeinde ja mehr oder weniger umfangreich, wird aber zu großen Teilen eben von Müttern (oder Vätern) der Kinder gestemmt.

Und da hörte ich plötzlich die Stimme einer alten Freundin im Ohr, als sie mir kurz vor meinem Umzug nach München vor einem Jahr sagte: „Mach auf jeden Fall Gruppenleiterin, das wird die beste Integrationshilfe am neuen Wohnort überhaupt.“ Ich? Nie, dachte ich damals. Aber der Gedanke arbeitete in mir. Gar nicht unbedingt der Integrationsschub für die Kinder oder mich – denn das hatte auch so ganz gut geklappt – nein, etwas anderes lockte mich sehr: Mit meinen Kindern zusammen den Weg zur Erstkommunion gehen. In einem Alter, in dem sie schon selbständiger werden, nochmal nah dabei sein.

Und so kam´s: Zusammen mit den Müttern zweier Freundinnen meiner Tochter wurden wir offiziell zu Gruppenleiterinnen von fünf Jungs und vier Mädels. Hieß: Alle zwei Wochen eine Stunde „Unterricht“ im Pfarrheim. Und wie so oft war die Praxis plötzlich was ganz anderes als die Theorie. Denn die war gut vorbereitet: Jede Stunde wird ja inhaltlich von der Pfarrei in einem dicken Geheft gut angelegt, und man ist doch sehr frei in seinem Tun. Aber Kinder sind Kinder – und nicht immer hingen sie an unseren Lippen, man könnte auch sagen: Oft ging´s zu wie Hulle, und wir waren beschäftigt unsere Pappenheimer einigermaßen ruhig und bei Stange zu halten. Etwas deutlicher ausgedrückt: Manchmal hat es mich den letzten Nerv gekostet. Und ich musste intensiv an die Worte des Gemeindereferenten denken: „Im Rückblick haben die Gruppenleiterinnen die Aufgabe immer als Bereicherung empfunden.“ Bereicherung? Das ist eine Belastung!, so dachte ich nicht nur einmal. Und war gleichzeitig so unzufrieden mit mir, und meiner Ungeduld, wenn manche Kinder wirklich mehr als unaufmerksam waren.

Aber langsam passierte etwas in und mit mir. Mir wurde klar, warum auch für mich diese Zeit, diese Monate eine Bereicherung sein würden: Weil sie mich weiter gebracht haben, mit meiner Geduld, meinem Verständnis anderen gegenüber, und ihren Besonderheiten, die eben nicht immer der Norm folgen. Ich habe gelernt, dass man nicht immer erwarten kann, dass es so läuft wie geplant. Dinge zu nehmen wie sie kommen, und mit kleinen Schritten zufrieden zu sein. Und es hat mich richtig stolz gemcht als wir in der letzten Stunde mit den Kindern nochmal über die vergangene Zeit sprachen, und sie noch so viel wussten: Nicht alle Details, aber die Botschaften, die waren echt hängen geblieben!

Und ich werde nie, nie, nie diesen Moment vergessen, als wir  Gruppenleiterinnen am Tag der Erstkommunion  zusammen mit „unseren“ (sehr aufgeregten) Kindern in die vollbesetzte Kirche einzogen, begleitet von Orgelspiel und Gesang. Es war einer der schönsten Momente in meinem Leben.

Gibt es auch in eurem Leben einen Überraschungsmoment?

Alles Liebe, Eure Jules

Foto: Thanks to Annie Spratt@unsplash.com

 

 

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