Wickeln

Liebe Pi,

wie froh ich bin, dass ich in Dir eine Schwägerin habe, mir der ich über so Vieles reden kann, und die so tickt wie ich. In einem aber sind wir ganz schön unterschiedlich – keine Angst, ich meine nur das Alter unserer Kinder: Meine fast Elfjährigen streben mit riesigen Schritten in Richtung Pubertät. Und du bist mit deinen zwei Süßen (eins und dreieinhalb) mitten im “schönsten” Kleinkindstress. Wie gut, dass das so unterschiedlich ist, denn so nützen meine Erfahrungen aus der Doppel-Babyzeit doch noch jemandem: Neulich hast du mich gefragt, was du tun kannst, damit es nicht gefühlt eine halbe Stunde dauert, bis dein Kleiner gewickelt ist. Und weil ich damals den gleichen “Wickel-Terror” hatte wie du, kann ich dir tatsächlich noch meine “Best of Wickel-Tipps” ans Herz legen:  Von mir oder damals gleichgesinnten Freundinnen getestet. Und natürlich denke ich bei diesem Post nicht nur an dich, liebe Pi. Sondern an alle von euch, die gerade in der gleichen Situation sind. Meine Tipps erheben übrigens keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Ihr kennt auch noch ein gutes Ablenkungsmanöver fürs Wickeln? Her damit!!!

Alles Liebe! Eure Jules

Sing mir einen Song

Genau das habe ich ständig, wirklich ständig gemacht als meine Kinder klein waren: Aber nicht weil ich so toll singen kann, nein, nein – einfach weil ich mir damit selbst die Zeit vertrieben habe. Und mir nicht ganz so komisch vorkam, als wenn ich ohne Gegenantwort ständig alleine vor mich hin gesprochen hätte. Und wisst ihr was? Meine Kinder waren meist so fasziniert von Mamas Gesinge, dass sie ganz vergessen haben, zu überlegen, ob sie jetzt Windel gewechselt haben möchten oder nicht. Dabei habe ich einfach die jeweilige Situation auf irgendeine bekannte Melodie besungen, zum Beispiel auf “Alle meine Entchen”: “Ich zieh dir jetzt die Windel an, Windel an, Windel an. Das fühlt sich dann sehr schö-hön an, schöööön an!”

Oben ist es interessant!

Sorgt dafür, dass der Wickelplatz möglichst interessant und spannend ist – aber Achtung: Der Blick eures Babys geht ja zur Decke, deshalb müsst ihr eure Ablenkungsmanöver auch dort platzieren. Zum Beispiel ein Mobile oder eine Lichterkette über dem Wickeltisch aufhängen. Oder – ganz einfach und schnell gemacht – Babyfotos an die Decke kleben. Denn euer Kleines liebt es, andere Babys anzugucken! Genauso wie Mama oder Papa, seine engsten Vertrauten.

Zwei gewinnt!

So simpel und so wirkungsvoll: Da euer Kind sowieso immer an das ran will, was ihr gerade an der Hand habt – tut ihm einfach den Gefallen: Eine neue Windel ist für den Po, die andere zum Spielen!

Seltenheitswert

Ganz handsam wird euer Kind auch, wenn seine Aufmerksamkeit einfach etwas anderem gilt, das es aber nicht so oft sieht. Und da gibt es viel, direkt neben euch: Die Feuchttücher, die Cremetube, eine Bürste und ein unzerbrechlicher Spiegel sind Highlights, die euer Kind eben nur beim Wickeln in die Hand bekommt. Oder ihr legt ein Buch oder ein Spielzeug an den Wickeltisch, das immer dort bleibt.

Heute wickelt Frau Hase

Ihr habt sicher schon bemerkt: Wenn´s kritisch wird, dann hilft es manchmal, sich als Mama hinter einem Kuscheltier zu “verstecken”. Schuhe anziehen, Zähne putzen, Windel wechseln – das machen heute einfach Frau Hase oder Herr Bär. Mit verstellter Stimme und ein paar geschickten Handgriffen der Aushilfe ist das Wickeln ratz fatz vorbei, wetten?

Ruhig Blut

Haha, toller Tipp, denkt ihr jetzt sicher: Ich soll einfach ruhig bleiben, dabei habe ich doch noch, und ich muss doch noch, und überhaupt – das muss jetzt schnell gehen!!! Verstehe ich total, habe ich auch immer so gedacht, erlebt, gefühlt: Aber irgendwann ist mir aufgegangen, dass es kaum einen innigeren Moment gibt als den des Wickelns: Er ist ohnehin intim, klar. Aber ihr guckt eurem Kind dabei auch noch direkt in die Augen, seid ihm ganz nah. Also, warum nicht statt ausgedehnter Spielzeit mal die Wickelzeit zur “Zeit zu Zweit” machen, sich viiiieeel Muße nehmen, streicheln, massieren, busseln? Ich habe jedenfalls gemerkt: Aus dem Kreisch-Event ist schnell ein Kuschel-Moment geworden. Nicht immer. Aber oft genug.

 

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